Das Becken von Puebla-Tlaxcala ist eines der sich innerhalb der Cordillera Neovolcánica etwa zwischen den 19. und 20. Breitengrad aneinanderreihenden Hochbecken, die von meridionalen Gebirgshorsten getrennt werden. Lage und Gliederung des zentralen Arbeitsgebietes zeigt die vorläufige Skizze der naturräumlichen Einheiten.
Gegen das westlich benachbarte Becken von México liegt die Grenze in dem Gebirgszug der Sierra Nevada, die neben anderen Gipfeln von den gletschergekrönten Vulkanen des Popocatépetl und Ixtaccíhuatl gebildet wird. Seine stärkste Tätigkeit hatte der Popocatépetl, ein Stratovulkan vorwiegend aus Basaltlaven und Tuffen, wahrscheinlich während des Ausgangs des Tertiärs, jetzt zeigt der nur noch Fumarolen-und Solfatarentätigkeit. Älter und erloschen ist der vielfältig zusammengesetzte Bau des Ixtaccíhuatl mit Andesiten und Daciten. Seine Haube aus Gletschern noch unbekannter Mächtigkeit ist eine bedeutende Quelle für Bewässerungswasser und für die Wasserversorgung der Dörfer, die auf den unteren Hangstufen liegen. Diese von tiefen Schluchten (Barrancas) getrennten geneigten Riedelflächen werden von lößähnlichen, gelben vulkanischen Tuffen (Tepetate) aufgebaut.
Die den Osten des Arbeitsgebietes beherrschende Malinche ist eine tertiärzeitliche Vulkanruine und enthält in ihrem Kern ebenfalls Andesite, die an den schroffen Wänden des Gipfelbereiches und im Schutt der tiefen Barrancas zu erkennen sind, die radial den Berg zergliedern. Die Hänge bestehen aus sandigem oder kiesigem Verwitterungsschutt und werden sehr leicht von Bodenzerstörung betroffen, weshalb diese jetzt energisch und mit modernen Methoden bekämpft wird, um das allzu rasche Versanden der Atoyac-Talsperre Valsequillo zu verhindern. Mit 4461 m Höhe erreicht die Malinche die heutige Schneegrenze in 5000 m Höhe nicht, besitzt also keine Gletscher, und die Wasserversorgung der in ihrem Vorland und auf ihren Hängen gelegenen Siedlungen ist nach regenarmen Sommern äußerst gefährdet. In der letzten Kaltzeit lag die Schneegrenze etwa 1000 m tiefer, was durch die Moräne eines Kargletschers am Nordwesthang deutlich wird, die ich dort am 22.5.1963 beobachtete.
Im Norden wird das Becken von den um etwa 400-500 m herausgehobenen Schollen des Blocks von Tlaxcala begrenzt. Die Sedimente des im Tertiär und Quartär gebildeten Beckenbodens, Sand-, Kalk- und Tongesteine, treten an steiler Bruchstufe und an den Talflanken zutage, wo sie durch die Bodenzerstörung entblößt sind. Wie die Hänge der Vulkane wird auch der Block von Tlaxcala von den gelben Tepetate-Tuffen überdeckt. Über die gegen Norden einfallenden Hochflächen in rund 2500 m Höhe erheben sich einzelne Vulkanbauten bis 2700 m Höhe.
Gegen Süden hin wird das Becken von dem Ausläufer der Cordillera de Tentzo und der Bruchstufe des Serrijón de Amozoc begrenzt. Während ersterer dort aus Basalten verschiedener Ausbruchphasen besteht und von Tepetatetuff bedeckt ist, wird der Serrijón de Amozoc von Kalkstein der Kreidezeit aufgebaut. Die Tuffe bedecken nur noch Teile der Hochfläche und die unteren Hänge. Die Südgrenze des Beckens folgt damit etwa der tektonischen Humboldt- oder Clarion-Linie, die nach Osten weiter zum Pico de Orizaba verläuft. Über eine niedrige Schwelle bei Puebla hinweg besitzt das Becken zwischen Malinche und Serrijón de Amozoc einen verkehrsgünstigen Ausgang nach Osten, den Staatsstraße, Autobahn und eine Eisenbahnlinie benutzen.
Gegen Süden hin sind zwei Ausgänge vorhanden, die aus der Tierra fría des Hochbeckens in die Tierra templada der Balsas-Senke führen. Nur eine, das Valsequillo-Becken, wird mit dem Atoyac, der zusammen mit dem Rio Zahuapan als oberster Balsas das Becken entwässert, zum Abflußweg. Durch die breite Öffnung im Südwesten tritt nur der durch einen mächtigen Basaltlavastrom abgelenkte Rio Nexapa von Popocatépetl-Osthang her hinaus und hinunter ins Becken von Atlixco. Der Südwesten des Beckens von Puebla wird aber unterirdisch in dieser Richtung entwässert, und dieses Wasser ist neben dem des Popocatépetl die Grundlage für die reichen Bewässerungskulturen in dem klimagünstigen Becken von Atlixco. Durch diese Südwest-Pforte geht seit alter Zeit der Verkehr südwärts, wo heute die Carretera Panamericana nach Oaxaca verläuft. Der Grenzgürtel zwischen dem Hochbecken und dem Becken von Atlixco wird durch eine mehrgliedrige Kette von Vulkankuppen bezeichnet wie auch durch das Auftreten der Vegetationsbestandteile des Trockenwaldes, in der Kulturlandschaft durch die auf den Feldern stehenden Guaje-Akazien.
Die Grenzen einiger naturräumlichen Einheiten fallen offenbar mit tektonischen Bruchlinien zusammen, welche die Oberflächenformen bestimmen. Dadurch wird der teilweise regelmäßige Verlauf der Grenzen im Beckenbereich erklärt. Mit diesen stehen auch die meisten vulkanischen Aufbauformen, Kuppen und Kegel, im Zusammenhang. Die genaue Festlegung des Verlaufs tektonisch-vulkanologischer Linien muß eingehenden Spezialuntersuchungen vorgehalten bleiben.
Die Landchaftsgrenze zwischen den Fußhängen der Vulkane und der Malinche und den Beckenebenen wurde dort gefunden, wo die Bach- und Flußbetten aus ihren Barrancatälern hinaustreten, wo deren Ausuferung und damit die Dämme beginnen. Am Fuß der Sierra Nevada handelt es sich nicht immer um ein allmählich auslaufendes sanftes Hangprofil. Hier treten nach Süden hin an Höhe und Zahl zunehmend Stufen auf, und an deren Basis haben die Bäche zuweilen grobe verkittete Basaltschotter angeschnitten. Es ist also auch diese Grenze mehr oder weniger deutlich durch Bruchlinien bestimmt.
Im Norden des Beckens kommen westlich Tlaxcala neutrale bis basische Böden vor, verursacht durch den Kalkschutt der angrenzenden Steilhänge des Blocks von Tlaxcala. Die gegen Westen sich anschließenden Salzböden sind nicht klimatisch bedingt, sondern sind durch aufsteigende salzhaltige Wässer zu erklären, die wegen schwieriger Abflußverhältnisse nördlich des Xochitecatl-Cacaxtla- Hügellandes im Winter verdunsten.
Die den Nordteil der Ebene abgliedernde Hügelreihe besteht sowohl aus vulkanischen Aufbauformen wie aus gehobenen Beckensedimenten und kann als Gruppe von Vorschollen des Blocks von Tlaxcala aufgefaßt werden. Sie wird im Süden von einer genau in West-Ost-Richtung zur Malinche in streichenden tektonischen Linie, der Chapala-Acambay-Linie begrenzt.
Die Xochitecatl-Cacaxtla-Gruppe ist im Westen von Atoyac, im Osten von Zahuapan, im Norden und Süden von Sumpfgebieten umgeben und bildet so von Natur aus eine Festung, die später durch Terrassen- und Grabenbauten noch verstärkt wurde.
Östlich der Malinche liegt das je nach Jahreszeit von flachen Seen oder Sümpfen erfüllte abflußlose Becken der Llanos oder von El Seco. Es wird im Norden von den Ausläufern des Blocks von Tlaxcala und der Sierra Norte de Puebla, in Osten von der Sierra Madre Oriental mit Perote und Pico de Orizaba und im Süden von einzelnen Vulkangruppen wie dem Cerro Pinal am Südost-Fuß der Malinche und einigen in Südost-Nordwest-Richtung streichenden Bergrücken gegen die Ebenen von Tepeaca und Tehuacan begrenzt. Der Ostrand der Malinche ist nicht leicht gegen das Becken hin abzugrenzen, weil sich ein Vorland einschaltet, das stufenartig zum Becken der Llanos abfällt.
Von F. Tichy1968 aus Gierloff-Emden (1970), S.15f
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Januar 2002
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