Florenreiche. Die Vegetation Mexicos ist nach Artenbestand und Ausbildung typischer Vegetationsregionen und formationen nach ihrer genetischen, ökologischen und pysiognomischen Zusammensetzung von einer fast unübersehbaren Mannigfaltigkeit. Das ist begründet 1. in der Gebirgsstruktur Mexicos, die durch eine Überlagerung einer vorherrschend vertikalen Anordnung von Klimabereichen mit dem Formenwandel der Breitenlage eine Unzahl von klimatisch differenzieren Standorten bedingt. Über wenige 1000 m vertikaler Differenz ist eine Mannigfaltigkeit der Pflanzenformationen zusammengedrängt wie zwischen Skandinavien und Tropisch-Afrika in der meridionalen Ausdehnung. 2. in der Brückenlage des Subkontinentes Mexico zwischen Nord- und Südamerika, die in den verschiedenen Höhenlagen eine Ausbreitung von Pflanzen verschiedener Pflanzenreiche über die Landbrücke Mexicos und eine Durchmischung der Bestände ermöglichte.
Aus den südamerikanischen Tropen gelangten Pflanzen des neogäischen Formenkreises von Süden eher über die tropischen Tiefländer der mittelamerikanischen Landbrücke in die feuchtheißen Gebiete Mexicos. Tropisch montane und subantarktische Pflanzen konnten sich in den Höhenlagen bis nach Mexico ausbreiten. Dagegen kamen aus dem borealen und holarktischen Formenkreis von Norden aus dem nordamerikanischen Kontinent Pflanzensippen, besonders Koniferen und laubabwerfende und immergrüne Eichen, und breiteten sich nach Süden bis über Mexico aus. In den Gebirgsregionen Mexicos treffen also boreale Pflanzengattungen mit tropisch montanen und subantarktischen zusammen, wobei in dieser Pflanzengesellschaft die borealen Formen dominieren, die anderen Gesellschaften eingemischt sind.
Es treffen sich in den Gebirgsregionen Mexicos also boreale Pflanzengattungen mit tropisch-montanen bis subantarktischen zusammen, aber so, daß boreale Formen als die Träger der Pflanzengesellschaften, die südlichen mehr als akzessorische Elemente gelten können. C. TROLL.
Die natürliche Vegetation Mexicos ist durch die ackerbauliche
und viehwirtschaftliche Nutzung, durch Wasserentnahme aus dem Boden
und künstliche Bewässerung und durch Brandrodung wesentlich
verändert worden, z.B. hat die Brandrodung mit ihrer selektiven
Wirkung eine Ausbreitung brandresistenter Pflanzen (Kiefern und
Palmen) auf Kosten ihrer natürlichen Konkurrenz zur Folge.
Dennoch gibt es Landschaftstypen, deren wesentliches Gepräge
durch die Anwesenheit bestimmter Vegetationsformationen erhalten
geblieben ist, wie z.B. die Kakteensteppe auf der Halbinsel Baja
California, die Kakteen- und Buschsteppen des pazifischen Nordwestens
und des großen nördlichen Zentralmexicos und der Regionen
auf den Rio Colorado.

Einige
ökologisch gut definierte Typen sind in der Karte nicht
eingetragen, da ihre Ausdehnung für die Karte im dargestellten
Maßstab zu klein ist:
Arktisch-alpine Wiesen auf den Kämmen und Gipfeln der Berge;
Trockenvegetation auf Lavaströmen (unter edaphischen Bedingungen entstanden);
Litoralvegetation wie Mangrove, Salzmarschen, Dünengrasflächen;
Aquatische Formationen (Wasserpflanzen auf Seen).
Vegetationsformationen der tropischen Tieflandzone. Immergrüner tropischer Regenwald. Verbreitung an der atlantischen Küste von der Mitte der Halbinsel Yucatán (Petén) bis etwa 20° nördlicher Breite. Im Süden steigt er am Hochland von Chiapas, im Osten an der Sierra Madre Oriental bis 800 m Höhe empor. Landeinwärts folgt er den feuchten Schluchten.
Er ist artenreich, enthält vier bis fünf Kronenstockwerke, mit hohen Bäumen wie Ceiba (Baumwollbaum), der bei den alten Kulturen als heilig galt, reich an kletternden Pflanzen (Lianen), zahlreichen Epiphyten (Bromeliaceen, Orchideen) und hat undurchdringliches Unterholz. Genutzt werden Genußmittel liefernde Bäume (Chicle-Gummisaft) und Sträucher (Indigo), Baumgräser, Lianen und Palmen, Farbhölzer (Campeche Holz) und Edelhölzer (Caoba = Mahagoni).
Litoralvegetation. Mangroven. Mit dieser Gehölzformation Manglar schiebt sich die tropische Landvegetation an geschützteren, schlammreichen Buchten unter die Flutlinie ins Meerwasser hinaus.
Bis zu 20 m hohe, undurchdringliche Dickichte, Stelzwurzelgerüste, vertikal emporgerichtete Atemwurzeln, immergrünes, derb-ledriges Laub haben diese Formationen und kommen an geschützten Buchten im tropischen Mexico vor (nördlichstes Vorkommen auf der Halbinsel Baja California bei Mulegé, 27°N). Mangrove wird für Bauzwecke, Brennholz und die Rinde für Gerberlohe genutzt. Palmen-Dornbusch-Savanne im Litoralbereich ist an fast allen Küsten ausgebildet.
Vegetationsformationen der tropischen Gebirge. Tropischer immergrüner Berg- und Höhenwald. Der Bergwald Monte kommt an atlantischen Ostabdachungen von der Breite von Tampico bis zum Hochland von Chiapas, an Hängen isolierter Berge an pazifischen Westabdachungen in 800 m bis 1800 m Höhe vor.
15 bis 40 m hohe Bäume wie Copál (Bursera), Ceiba, Bálsamo, Nadelhölzer und Eichen und dichtes Unterholz kommen vor. Der Wald ist artenreich. Wegen hoher Luftfeuchtigkeit gibt es zahlreiche Flechten, Farne, Moose, Epiphyten. Diese Bestände müssen stellenweise tropischen Kulturen, wie Kaffee, Zuckerrohr, Bananen, Reis weichen. Bis 2300 m Höhe schließt sich der Nebelwald an. Er ist an einen Nebelgürtel gebunden. Er ist verbreitet in der Sierra Madre von Chiapas, der Sierra Madre Oriental, auf hohen Gipfeln in Guerrero, in der Sierra Madre del Sur. Er besteht aus zwei Stockwerken: Kiefern-, Eichen- und Hartholz-Laubmischwald und Unterwuchs aus Busch, Gras und Epiphyten. Wegen der sehr hohen Luftfeuchte wachsen dichte Moospelze, Flechten und Farne an Stämmen und Ästen. Starke Durchfeuchtung des Bodens führt zu Rutschungen, daher sind die Hänge solcher Gebirge schwer passierbar.
Trockenwald ist verbreitet von Chiapas bis Südsinaloa auf den westlichen Berghängen bis zu 1000 m Höhe, in den Leeseiten der Gebirge und in eingeschlossenen Becken. Mit dem Trockenwald kommen Savannen und Inseln immergrünen tropischen Waldes vor, wo genügend Grundwasser vorhanden ist.
Als carbonal (nach der Carbón-Mimose benannt) wird die offene Formation von Bäumen ähnlicher Gestalt, aber mit unterschiedlichen Kronenhöhen (Mimosaceen, Schirmakazien, Riesenkakteen, Sukkulenten), mit borkenbedeckter Rinde und Laubfall in der Trockenperiode bezeichnet. Das Unterholz besteht aus immergrünen, dornigen Pflanzen und Büschelgras.
Gebirgsvegetationsformationen. Boreale Laub- und Kiefernwälder schließen sich an Trockenwälder und Höhenwälder an. Sie sind im Norden Mexicos auf der Sierra Madre Occidental vertreten und auf der Sierra Neovolcánica Transversal, dem Hochland von Chiapas und der Sierra Madre Oriental, ebenfalls auf einigen Bergen Baja Californias. Diese Felder haben wie mitteleuropäische Gehölze lichten Charakter. Wegen ihrer Bedeutung für den Menschen und das Wild sind diese Bestände wertvoll. Seit vorkolumbianischer Zeit wird in ihnen Raubbau getrieben. Meist bilden reine Eichenbestände unter der Kiefernzone einen Waldgürtel, den robledal nach roble oder encinal nach encino. Es gibt über 200 Arten von Eichen (encino) in Mexico, darunter immergrüne und laubabwerfende Arten. Sie entfalten große Artenfülle, ihre Unterwuchs ist spärlich. Ab 1700 m treten Koniferen vergesellschaftet mit Laubbäumen auf, Eichen, Kiefern, Tannen. Reine Nadelholzwälder in Form von Kiefern (Pinus), Tannen (Abies) und Juniperus kommen ab 2400 bis 4000 m Höhe vor. In Mexico gibt es 39 Arten von Kiefern. In der höhere von 2600 m herrschen Pinus ponderosa (Weißkiefer), abwechselnd mit Schwarzkiefern, mit Juniperus arizonica (Wacholder), sehr kleinblättrigen Eichen, Zedern, Tannen und, nahe den Wasserläufen, Pappeln vor. Den Charakter des Waldes bestimmt die Weißkiefer, mit ihrem umfangreichen Stamm und dem gesunden Holz. Die Farbe des Stammes ist leuchtend rosenrot, das Holz hochgeschätzt für die Verachtung. Die Waldgrenze wird durch Pinus hartwegii gebildet. Der Kiefernwald, auch Nadelwald im allgemeinen, heißt pinal, auch ocotal , von ocote, Kiefer. Die Lichtungen sind oft mit dem Büschelgras Zacate (Zacaton), einer Festuca-Gattung, bestanden. Die Baumgrenze endet meist ohne Strauchgürtel. Bis 4800 m Höhe gibt es steppenähnliche Gras- und Kräuterflächen mit harten, schmalblättrigen Gräsern.
Tropischer Dornbuschwald (Deciduous) mit niedrigen Kronenhöhen, breiten Blättern, Epiphyten und einigen hohen Bäumen mit Schirmkronen kommt in Sonora, Balsas-Tal, Tamaulipas, Tal von Chiapas und Nordwest-Yucatán vor.
Savannen als Übergang zur ariden Zone. Als Savanne wird hier benannt: Grasformationen in Büscheln wachsend, eingestreute Wald- und Gebüschformationen. Ein deutlicher Unterschied zwischen Regen- und Trockenzeit zeichnet sich ab.
Vorkommen im Tiefland von Tabasco mit Sumpfwiesen, mit großen Schirmbäumen (Ceiba) und Palmen. Als morichal wird das von Mehlpalmen bestandene Sumpfland bezeichnet.
Baumsavanne: Vorkommen im Norden Yucatáns. Fünf Monate aride Jahreszeit. Kennzeichen sind feuchte Galeriewälder, großlaubige, dornlose Bäume, mannshohes Büschelgras, Laubabfall in der Trockenzeit.
Savannenbusch (Trockensavanne): Verbreitung im äußersten Norden Yucatáns, im Norden der Trockenwaldformation, im Süden Baja Californias.
Regengrüner, licht stehender, mäßig hoher Trockenwald, dornlose, fiederlaubige Bäume, geringerer Grasunterwuchs. Nach den Bäumen jícaro (Kalebassenbaum), auch jicaral und morro, auch morral, genannt.
Sukkulentensavanne (Dornsavanne): Verbreitung auf der atlantischen Küstenebene zwischen 20° und 23° N Breite, an der pazifischen Küste in Trockenwaldformationen eingestreut.
Mit kniehohem Büschelgras. Anpassungserscheinungen der Pflanzen an trockenheit: Reduktion des Laube, Wasserspeicherung der Stamm- und Blattsukkulenten, in holzigen Wurzeln unter der Erde oder innerhalb des Bastringes der Tonnenbäume, Rindenassimilation als Ersatz für Blattassimilation.
Vegetationsformationen der subtopisch-ariden Gebiete (Dornstrauchsteppe). Verbreitung in der Nähe des Wendekreises, auf der Meseta Central bis in 2400 m Höhe, mit Yucca (Schopfbäume), Liliaceen, davon 18 Arten und Agaven (Maguey). In Mexico gibt es 170 Arten von Agaven. Am Flußgebiet des Rio Grande del Norte als Mesquite-Buschwald.
Wüstensteppe: Verbreitung in 1200 m Höhe in der Bolsón de Mapimí, im Norden Baja Californias, in der Provinz Sonora. Tiefreichende Wurzelsysteme, Überdauern der Trockenzeit als Samen, viele Zwiebel- und Knollengewächse, bis zu einem halben Meter hohes vereinzelt stehendes Büschelgras. Als Chaparral wird die im Nordwesten, besonders auf der Halbinsel Baja California verbreitete Trockenbuschformation bezeichnet. Auf den Büschen kommen Aufsitzerpflanzen, Epiphyten, vor. Als Büsche sind besonders häufig Manzanita, Coyote und Krüppeleichen. Als Mesquite-Grasland ist die Formation der mit Mesquite-Bäumen und Büschen bestandenen Grasfluren zu nennen, die in Chihuahua und Coahuila verbreitet sind.
Höhenstufen der Vegetationsformationen. Für die Hänge
der großen Vulkanberge in Zentralmexico beschreibt F. TICHY die
Vegetationszonen nach der Höhe:
Diese Mischwälder
nehmen je nach den Bodenverhältnissen recht verschiedenen
Ausdruck an und reichen bis in Höhen um 3000 m. Oberhalb dieser
Eichen-Kiefernstufe, die im obersten Teil nur noch aus Kiefern
verschiedener Arten besteht, folgt eine schmale Tannenstufe bis 3500
m, an die sich die obere Kiefernstufe bis zur Waldgrenze anschließt,
welche bei 3900-4000 m liegt. Wacholder und einzelne Kiefern bilden
die Baumgrenze gegen die Gras- und Schuttfluren mit vorwiegend hohen
Horstgräsern und einigen Polsterpflanzen.
Wüsten, Halbwüsten. Mehr als zwei Drittel der Fläche Mexicos gelten als arid, geringe von Jahr zu Jahr der wechselnde Niederschlagsbeträge und hohe Verdunstung haben Wüsten und Halbwüsten als vorherrschenden Landschaftstyp hervorgebracht. Ein großer Teil der Bemühungen um Gewinnung neuen Kulturlandes durch Bewässerung ist auf Projekte in dieser Landschaftsregion gerichtet.
Selbst die Sierra muß oft lange Zeit und weithin Regen entbehren, vor allem dem Norden, vor Mexico seine größte Breite erreicht. Wer BEN TRAVENS Schatz der Sierra Madre gelesen oder den Film gleichen Titels gesehen hat, wird gute Vorstellungen von der Öde, der Unfruchtbarkeit und Unzugänglichkeit des Geländes, dem Durst und Hunger der an solche Regionen gefesselten Menschen gewonnen haben. Selbst in den Bergen ist Mexico weithin viel mehr Wüste, als unsere Atlanten das erkennen das. Denn was hilft es schon, wenn die Geographie und die Forstwirtschaft für diese mit spärlichen Kakteen und Dornsträuchern betupften Geröllfelder exakt noch die Bezeichnung Steppe angewandt wissen wollen; für den, der dort leben muß, wirkt sich diese Umwelt trotzdem wie eine Wüste aus. Das gleiche gilt für die gesamte nördliche Meseta und die erwähnten in sie eingesenkten abflußlosen Bolsones. Da wird Wasser zur Kostbarkeit, zumal die hier und da zusammengeflossenen Seen, Lagunen, in der Regel so salzig sind, daß nicht einmal mehr das Vieh daraus trinken mag. K. HELBIG
Die Wüstenregionen lassen sich in eine Reihe von Teilgebieten untergliedern: die Chihuahua-Wüste, die Sonorische Wüste und verschiedene Halbwüstenregionen.
aus Gierloff-Emden 1970), S.105ff
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Januar 2002
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